Hilfe holen - „Du bist nicht alleine.“

Zu einem ersten Beratungstermin kommen die 10 jährige Jana und ihre Eltern zu uns. Jana hat sexuelle Übergriffe durch den 16 jährigen Freund ihres großen Bruders erlebt. Die Eltern haben dies bereits angezeigt. In ihrem Freundeskreis haben sie von unserer Beratungsstelle gehört und angerufen.

Zu Beginn der Beratung wollen die Kinder nicht selbst erzählen, warum sie da sind und was passiert ist, sondern wünschen sich meist, dass das die Eltern übernehmen. Für die weitere Beratung bekommen Jana und ihre Eltern jeweils eine eigene Beraterin, denn Kinder und Eltern haben ganz unterschiedliche Fragen und Bedürfnisse. Eine wichtige Botschaft für alle ist:

„Du bist nicht allein.“ Wir unterstützen alle Beteiligten, ermutigen, geben notwendige Informationen und begleiten bei einem Gerichtsprozess. Im Fall von Jana könnte natürlich auch ihr Bruder zur Beratung zu uns kommen, wenn er dies möchte.

Viele Betroffene und viele Eltern/Angehörige sagen uns, dass sie in der Familie oder im Bekanntenkreis Ausgrenzung erleben, wenn sie sexuellen Missbrauch öffentlich machen, anzeigen und/oder Konsequenzen einfordern. Betroffene selbst glauben oft, „so etwas“ passiere nur ihnen und muss folglich irgendwie an ihnen gelegen haben. Allein die Botschaft, dass „so etwas“ vielen passiert, entlastet dann oft schon von dem Gefühl der Verantwortung. Ebenso, mit jemandem darüber reden zu können. Und schließlich auch, gemeinsam mit der Beraterin zu überlegen, welche Personen und Institutionen für eine Unterstützung gewonnen werden können, undwie. So haben zum Beispiel manche Eltern die Sorge, dass andere Kinder oder Jugendliche, wenn sie eingeweiht werden, zu „tratschen“ beginnen. Für die Mädchen oder Jungen wäre es aber wichtig, dass wenigstens ihre engsten Freunde oder Freundinnen verstehen, warum sie auf einmal so komisch sind. Oder andersherum möchte die Mutter vielleicht alles mit ihrer besten Freundin besprechen, der die Tochter aber nicht vertraut. Und dann ist für alle Beteiligten noch die Frage, wie sich der Sportvereinsvorstand verhält, wenn z.B. ein Trainer übergriffig wurde, und wie man prüfen kann, ob der Verein jetzt sicher und solidarisch mit der Betroffenen ist. Hier für alle zufriedenstellende Entscheidungen zu treffen und zu prüfen, ob diese Entscheidungen tragen, ist ein Aushandlungsprozess, der meist der Unterstützung und auch einer Einschätzung anhand langjähriger Erfahrungen mit dem Thema bedarf.